Mathematik kann jeder lernen

Mathematik kann jeder lernen

Mathematik ist für viele Menschen eine Qual. Schülerinnen und Schüler mogeln sich durch Prüfungen, Erwachsene scheitern an einfachsten Rechenaufgaben und manche von ihnen sind sogar stolz darauf, dass sie in Mathe immer schlecht waren. Warum Mathematik für viele Menschen ein Problem darstellt und was man dagegen tun kann, dazu existieren unterschiedliche Studien und Expertenmeinungen.

Auch im Alltag benötigt man mathematische Fähigkeiten

Im Alltag ist Mathematik allgegenwärtig. Egal, ob es um das Wechselgeld im Restaurant geht, um private Investitionen oder um den Erwerb von Finanzprodukten, zumindest Grundrechenarten werden regelmäßig benötigt. Doch selbst mit Dreisatz, Prozentrechnung und Co.  sind viele Menschen bereits überfordert. In einer Studie der Stiftung Rechnen aus dem Jahr 2009 scheiterten 63 Prozent der teilnehmenden Erwachsenen an Aufgaben für Siebtklässler. Bei einer Prüfung unter Studienanfängern der Freien Universität Berlin sah es nicht besser aus. Im harmlosesten Fall führt fehlende Rechenkompetenz  vielleicht zu ein paar Euro zu viel bezahltem Trinkgeld, im schlimmsten Fall vielleicht zum Abschluss einer Kreditfinanzierung mit ruinös hohen Zinsen.

Zahlenverständnis korreliert mit zeitlichem und räumlichem Vorstellungsvermögen

Doch woher kommt es, dass sich viele Menschen mit Mathematik so schwer tun? Zur Beantwortung dieser Frage existieren eine Vielzahl an Studien und Theorien. Studien mit Hirnscans zeigen, dass beim Umgang mit Zahlen die gleichen Hirnareale aktiv sind, wie bei der Schätzung von Zeitabständen und der Vorstellung von Räumen. Wissenschaftler fanden heraus, dass Menschen mit einem guten Zeitgefühl auch bessere Mathematiker sind. Ein Training des räumlichen Vorstellungsvermögens und des Schätzens von Zeitabständen, könnte sich daher möglicherweise auch positiv auf mathematische Fertigkeiten auswirken.

Das Geschlecht hat möglicherweise Auswirkungen

Ein Streitpunkt in der Wissenschaft ist seit langem die Frage, welchen Einfluss das Geschlecht auf die mathematischen Fertigkeiten hat. Eine Theorie geht beispielsweise davon aus, dass Männer durchschnittlich talentierter in Mathematik sind, als Frauen. Bei der Begründung bedient man sich Ergebnissen aus der  Autismus-Forschung. Autisten haben üblicherweise ein sehr gutes mathematisches Verständnis bzw. gute Mathematiker sind oftmals autistisch veranlagt. Autismus ist auf ein Übermaß an Testosteron zurückzuführen, dem Betroffene im Mutterleib ausgesetzt sind. Testosteron begünstigt die Entwicklung zu einem männlichen Kind.

Selbstwertgefühl und gesellschaftliche Erwartungen sind wahrscheinlich wichtigere Einflüsse

Ergebnisse aus der aktuellen Pisa-Studien sowie einer internationalen Untersuchung der Max-Planck-Gesellschaft widersprechen dieser Theorie jedoch. Die Studien konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen der Matheleistung von Jungen und Mädchen feststellen. Interessanterweise schnitten Mädchen besonders gut in Ländern ab, in denen technische und naturwissenschaftliche Berufe nicht als Männerdomäne gelten. Ein Indiz dafür, dass mathematisches Talent stark davon abhängt, wie man seine eigenen Kompetenzen einschätzt, was wiederum auch mit den Erwartungen einer Gesellschaft zusammenhängt.

Mathematikunterricht sollte praxisorientierter gestaltet werden

Das Frage ist: Wie nutzt man diese Erkenntnisse, um mathematisches Talent im Rahmen des Unterricht besser zu fördern? Anstatt komplexe Rechenregeln und -wege zu lehren, die von den Schülerinnen und Schülern oftmals nur auswendig gelernt werden, empfehlen Lernforscher, sich stärker um die Vermittlung eines grundlegenden Zahlenverständnisses zu bemühen – Zusammenhänge anstatt Details. Dazu gehört auch ein stärkerer Praxisbezug. Um mit dem weit verbreiteten Vorurteil “Damit kann man später eh nichts anfangen.” aufzuräumen, sollte Mathematik lebensnah vermittelt werden. Aufgaben sollten die Lösung praxisrelevanter Probleme behandeln, anstatt sich nur auf dem abstrakten Niveau von Zahlen und Zeichen zu bewegen.