Unüberlegte Bildungspolitik führt zu frustrierten Schülern

Unüberlegte Bildungspolitik führt zu frustrierten Schülern

Frust macht sich breit in der Schule. Sowohl Schülerinnen und Schüler, als auch ihre Eltern und die Lehrkräfte empfinden den Schulbetrieb mehr und mehr als Stress. Dies liegt nicht nur an Lehrkräftemangel und zu großen Klassen, sondern auch an wenig durchdachtem Aktionismus in der Bildungspolitik.

Die Pisa-Studie erzeugte Sorgen um Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit

Die Ergebnisse der ersten Pisa-Studie alarmierten die deutsche Bildungspolitik. Das Land der Dichter und Denker war bei den Leistungen seiner Schüler abgeschlagen. Vor allem asiatische Länder wie Japan und China wurden aufgrund ihrer hohen Rankings als Musterbeispiele gehandelt. Deutschlands Politiker  fürchteten nicht nur um das internationale Ansehen als Bildungsstandort, sondern auch um die Wettbewerbsfähigkeit in der Wirtschaft.

Die Bildungspolitik wurde auf einseitigen Wissenserwerb getrimmt

Es wurde schnell gehandelt und der Leistungsdruck auf die Schülerinnen und Schüler erhöht. Der Erwerb von möglichst viel Wissen in möglichst kurzer Zeit, verbunden mit immer mehr Leistungsüberprüfungen, wurde zur Maxime des Bildungsbetriebs. Am Ende ihrer Schullaufbahn sollen Schülerinnen und Schüler perfekt auf den Arbeitsmarkt vorbereitet sein. Die Möglichkeit zur Selbstentfaltung und der Spaß am Lernen bleiben bei vielen von ihnen auf der Strecke.

Der Fokus auf wirtschaftlich gewollte Fachrichtungen ist wenig durchdacht

Dass hinter diesen Entwicklungen in der Bildungspolitik auch wirtschaftliche Interessen stehen, zeigt sich besonders deutlich am Umgang mit naturwissenschaftlichen Fächern. Deutschland soll auch das Land der Ingenieure und Informatiker sein. Doch in diesen Bereichen mangelt es an Fachkräften. Die daraus erfolgenden Bemühungen, schon Schüler für naturwissenschaftliche und technische Fächer zu begeistern, mögen gut gemeint sein, sind aber wenig durchdacht und führen teilweise zum gegenteiligen Effekt. Die Einführung von Mathematik als Pflichtfach im Abitur hat die Abneigung vieler Schüler sogar noch vergrößert.

Die zentrale Frage lautet: Was soll das deutsche Bildungssystem eigentlich leisten?

Anstatt hektisch Programme zu entwickeln und umzusetzen, um vermeintliche Wettbewerbsnachteile auszugleichen, wäre ein durchdachtes Vorgehen von Nöten gewesen. Die Politik hätte sich zuerst ausführlich mit der Frage beschäftigen sollen, was das deutsche Bildungssystem überhaupt leisten soll .

Qualität statt Quantität sollte Devise in den Lehrplänen sein

Wollen wir wirklich gedrillte Leistungsmaschinen entwickeln? Oder doch lieber eigenständige Persönlichkeiten, die auch aus eigenem Antrieb zu guten Arbeitnehmern und Staatsbürgern werden? Ist es nicht sinnvoller, Schüler zu fördern anstatt nur zu fordern und die Leistungsschwachen zurück zu lassen? Dafür müssten Lehrpläne endlich wieder entzerrt und Inhalte umfassend behandelt werden, anstatt weiter nur auf reine Wissensaneignung zu setzen.

Hohe Pisa-Ergebnisse führen nicht zwangsläufig zu erfolgreichen Volkswirtschaften

Um festzustellen, dass dieses “weniger ist mehr” auch wirtschaftlich nicht schadet, genügt übrigens ebenfalls ein internationaler Vergleich. Vergleicht man die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Volkswirtschaften mit den Pisa-Ergebnissen ihrer Schüler, stehen die Pisa-Spitzenkandidaten nicht wesentlich besser da als ihre Nachzügler. Es lohnt sich also, nicht nur einzelne Ergebnisse separat zu betrachten.